Como schreibt Geschichte: 9-1-Auswärtssieg in Lens
Champions-League-Neuling Como 1907 gewann in Lens mit 9-1 und brach mehrere Rekorde; Fàbregas warnte vor Selbstzufriedenheit, Cahuzac sprach von „Demütigung“.
Como 1907, erstmals in der Champions League vertreten, hat am Mittwochabend einen historischen Sieg gefeiert. Die Italiener gewannen bei Lens mit 9-1 und brachen dabei gleich mehrere Rekorde: Noch nie hatte eine Auswärtsmannschaft in der Geschichte des Wettbewerbs so viele Tore in einem Spiel erzielt, noch nie hatte ein italienisches Team einen Sieg mit acht Toren Unterschied gefeiert, und im 1992 neu strukturierten Format der Champions League hatte keine Mannschaft den Platz mit einem derart deutlichen Ergebnis verlassen. Während die Schützlinge von Cesc Fàbregas in Italien mit Lob überschüttet wurden, sorgte das Resultat in Frankreich für Fassungslosigkeit.
Zuvor hatten sich Liverpool (2007 gegen Beşiktaş) und Real Madrid (2015 gegen Malmö) mit jeweils 8-0 den Rekord für den höchsten Sieg in der Geschichte der Champions League geteilt. Mit seinen neun Toren zog Como zudem mit dem Rekord für die meisten Tore einer Mannschaft in einem Spiel gleich, den Bayern München im September 2024 beim 9-2 gegen Dinamo Zagreb aufgestellt hatte. Den Titel des torreichsten Spiels der Wettbewerbsgeschichte verpasste die Partie im Stade Bollaert-Delelis allerdings. Dieser Rekord gehört dem 8-4 zwischen Borussia Dortmund und Legia Warschau aus dem Jahr 2016, in dem insgesamt 12 Tore fielen.
Como, das in dieser Saison bereits Leipzig und Manchester United jeweils mit 4-1 besiegt hatte, kletterte mit diesem Sieg bis auf den vierten Platz der Tabelle. Como-Trainer Cesc Fàbregas zeigte sich nach dem Spiel äußerst zufrieden, warnte aber zugleich vor Selbstzufriedenheit: „Es war ein glücklicher Abend, heute ist alles für uns gelaufen.“ Trotz des historischen Erfolgs betonte der spanische Trainer, man müsse auf dem Boden bleiben, und forderte von seiner Mannschaft, weiter hart zu arbeiten und sich nicht für etwas Besonderes zu halten. Obwohl es 9-1 stand, ärgerte sich Fàbregas über das Gegentor; über den Torschützen, seinen ehemaligen Mitspieler Ruben Aguilar, sagte er lachend, er habe ihn noch nie ein solches Tor erzielen sehen.
Auch im Interview mit Sky Sport Italia bremste Fàbregas die Erwartungen: „Es war auch erst unser viertes Champions-League-Spiel überhaupt, also ist die Vier hier die entscheidende Zahl.“ In den letzten beiden Spielen der Ligaphase, in den letzten beiden Januarwochen, trifft Como auf Paris Saint-Germain und Barcelona. „Nichts ist unmöglich, aber das sind zwei Mannschaften, die dem Rest überlegen sind“, sagte der Spanier. Zuvor tritt Como am Sonntag in der Serie A bei Inter im San Siro an; Fàbregas betonte, sein Fokus liege darauf, die verletzten Spieler zurückzubekommen, da vor allem in der Offensive viele fehlten.
Lens-Trainer Yannick Cahuzac, der Mitte September die Nachfolge von Dino Toppmöller angetreten hatte, war dagegen sichtlich niedergeschlagen. Nach dem Spiel fand Cahuzac deutliche Worte: „Das einzige Wort, das mir einfällt, ist ‚Demütigung‘“, sagte er und räumte ein, dass seine Mannschaft dem Gegner in allen Bereichen unterlegen gewesen sei. Eine derart schwere Niederlage lasse sich nicht allein mit taktischer Undiszipliniertheit erklären, so der französische Trainer, der eine schonungslose Aufarbeitung der Lage forderte und am Sonntag im Ligaspiel gegen Olympique Marseille unbedingt eine starke Reaktion sehen will.